12 Stunden, 3000 Fotos, 1000 Emotionen – Anatomie einer Hochzeitsreportage

 

Ein Hochzeitstag ist wie ein Mosaik aus kostbaren Momenten – flüchtig und einzigartig. Als Hochzeitsfotograf trage ich die besondere Verantwortung, diese Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Zwischen technischer Präzision und emotionaler Intelligenz bewege ich mich dabei wie ein stiller Beobachter durch den Tag. In diesem Artikel nehme ich Sie mit hinter die Kulissen und zeige Ihnen, was Hochzeitsfotografie wirklich bedeutet.

Das Equipment – gerüstet für jeden Moment

Nach jahrelanger Erfahrung habe ich mich für ein durchdachtes Zwei-Kamera-Setup entschieden:
an meiner Hauptkamera, einer Sony Alpha A7R5, arbeite ich meist mit dem TAMRON 35-150mm f/2.0-2.8. Dieses vielseitige Objektiv deckt fast alle Situationen perfekt ab. Meine zweite Kamera, eine Sony A7 III, bestücke ich je nach Situation flexibel: Das 17-23mm f/2.8 für Gruppenfotos und Locations, das SIGMA 105mm f/1.4 für besondere Porträts oder das 90mm Makro für Details wie Ringe und Accessoires. Für spezielle Situationen habe ich noch ein 150-600mm dabei – perfekt für diskrete Aufnahmen während der Zeremonie.

Besondere Herausforderungen

Jede Hochzeit ist ein Balanceakt zwischen technischer Perfektion und emotionaler Sensibilität. Die größte Herausforderung? Die ständig wechselnden Lichtsituationen. Vom weichen Morgenlicht beim Getting Ready über das grelle Mittagssonnenlicht bis hin zur stimmungsvollen Partybeleuchtung am Abend – jede Situation erfordert blitzschnelle Anpassungen an Kameraeinstellungen und Lichttechnik.

Dazu kommt: Viele wichtige Momente passieren nur einmal. Der erste Kuss, der Ringtausch, die Freudentränen des Brautvaters – hier gibt es keine zweite Chance. Gleichzeitig jongliere ich mit Zeitdruck, koordiniere mich mit anderen Dienstleistern und versuche dabei, für das Brautpaar möglichst unsichtbar zu bleiben.

 

Der Hochzeitstag – eine emotionale Reise

Der Tag beginnt oft früh beim Getting Ready der Braut und des Bräutigams. Hier entstehen bereits die ersten intimen Momente – die nervöse Vorfreude, die liebevolle Unterstützung der Brautjungfern, der erste Blick in den Spiegel im Brautkleid.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Fotograf muss ich in diesen Momenten besonders sensibel agieren: präsent sein, ohne zu stören, dokumentieren, ohne zu inszenieren.

 

Die Trauung – vielfältiger als man meint

Als Hochzeitsfotograf erlebe ich die unterschiedlichsten Formen der Trauung, die jeweils ihren ganz eigenen fotografischen Reiz haben:

Die klassische Kirchenhochzeit besticht für mich durch ihre feierliche Atmosphäre, jahrhundertealte Tradition und die besondere Architektur der Kirchengebäude.

Outdoor-Hochzeiten bieten dagegen fantastische Möglichkeiten für natürliche Aufnahmen, erfordern aber besondere Vorsicht bei der Planung – von der Sonnenposition bis zur Akustik muss alles durchdacht sein.

Die freie Trauung wird immer beliebter, da sie Paaren die größte gestalterische Freiheit bietet – ob auf einer Blumenwiese, am Strand oder unter freiem Himmel.

Ich liebe die Herausforderung, jede dieser Zeremonieformen in ihrer Einzigartigkeit einzufangen und dabei die besonderen Momente festzuhalten, die jede Art der Trauung so besonders machen.

 

Das Brautpaarshooting – der kreative Höhepunkt

Das Paarshooting ist einer der wichtigsten Momente einer Hochzeitsreportage. Ich halte die Shootings bewusst kurz – 30 bis 45 Minuten sind meist völlig ausreichend. Schließlich möchte ich das Brautpaar nicht zu lange von seinen Gästen trennen, die extra für diesen Tag angereist sind.

Am liebsten teile ich das Shooting in zwei Phasen auf: Eine erste Session am Nachmittag im Schatten für Close-Up Portraits, und eine zweite kurze Session während des Sonnenuntergangs für die magischen Goldene-Stunde-Aufnahmen.

Manchmal integriere ich auch bereits beim „First Look“ – dem Moment, wenn sich das Paar zum ersten Mal im Hochzeitsoutfit sieht – einige intime Portraits.

 

 

 

 

Die Feier – wenn die Party beginnt

Die Abendfeier stellt mich als Fotograf vor ganz besondere Herausforderungen: Während die Stimmung steigt, ändern sich die fotografischen Bedingungen dramatisch. Das farbige LED-Licht des DJs, das die Tanzfläche in ein Meer aus Rot, Blau und Grün taucht, kann für die Kamera zur echten Herausforderung werden. Hier setze ich gezielt meine Blitze ein (sowohl direkt auf der Kamera, als auch entfesselt), die ich – wenn möglich – indirekt über die Decke oder Wände lenke, um eine natürliche Lichtstimmung zu erzeugen.

Es gibt aber auch Situationen, bei denen ich bewusst auf einen Aufhellblitz verzichte, um die Lichtstimmung bestmöglich zu erhalten, wie in diesem Beispiel:

Hochzeitsfotografie ist für mich mehr als nur ein Job – es ist die Kunst, Emotionen und zeitlose Momente einzufangen. Jede Hochzeit ist einzigartig, und genau das macht diese Arbeit so besonders und erfüllend.

Marc Lehmann – www.fotografie-marc-lehmann.de

 

2 Replies to “12 Stunden, 3000 Fotos, 1000 Emotionen – Anatomie einer Hochzeitsreportage”

  1. Hallo Marc, es ist eine Wonne, den Text zu lesen und die Bilder zu betrachten. Ich weiß selber als Hochzeitsfotograf, dass wir als Fotografen nur den Moment festhalten, die in Erinnerung bleiben sollen.
    Du hast da eine wunderschöne Arbeit abgeliefert dafür Chapeau.

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